KNS028 Der Tod auf der zweiten Seite von Google

Alles neu... Wird der Mai dann schon noch machen. Zum Beispiel die Telomere (Pufferzonen der Chromosomen), wenn man im Alter die richtige Portion Sport treibt! Auch neu ist eine Theorie über die Gründe für die hohe Statur niederländischer Männer, eine Erklärung ozeanographische Erklärung für das Brummton-Phänomeen, sowie neue Relevanzkriterien für Webseiten. Außerdem: Katrin stellt eines ihrer Projekte vor und erzählt, wie der Puplikationsprozess so ablief. Viel Spaß beim Hören!

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Sendungsnotizen

Nachtrag zu KNS027: Hat das Konstanzer Konzil über Biber geurteilt?

Wissenschaftsnachrichten #

Flachlandüberblicker #

  • Die niederländischen Männer sind die größten der Welt, und haben im letzten Jahrhundert am meisten zugelegt (in den letzten 150 Jahren ~20cm). Warum? Essen die einfach zu viel Käse?
  • Aber natürlich sind Forscher immer auch auf der Suche nach anderen Erklärungsmöglichkeiten. Jetzt gibt es eine neue Studie: Sexuelle Selektion beim Menschen?
  • Ein niederländischer Forscher hat eine Datenbank mit Infos zu >100’000 Personen in drei niederländischen Provinzen durchforstet und deren Körpergröße und Fortpflanzungserfolg zusammengetragen.
  • Ergebnis: Große Männer hatten 0.24 mehr Kinder als normalgroße Männer – nicht viel, aber hoch signifikant! Zusätzlich hatten größere Männer eher einen Partner, und waren seltener kinderlos.
  • Ist eher Hinweis als Beweis: Es könnte auch nur eine zufällige Anreicherung von Genen für größere Körpergröße sein.
  • Möglicherweise ein temporärer Effekt! Solche Trends können, aber müssen sich nicht stabilisieren. Im 18. Jahrhundert waren zB die US-Männer die größten, wurden aber seitdem von den NL, aber auch den anderen Nordeuropäern deutlich überholt.
  • Wilde Spekulation zu den Amerikanern: Heterosis-Effekt!
  • Gert Stulp, Louise Barrett, … Melinda Mills (2015) Does natural selection favour taller stature among the tallest people on earth? (Proceedings of the Royal Society of London B: Biological Sciences) DOI: 10.1098/rspb.2015.0211 (via)

Veritas Ex Machina #

  • Xin Luna Dong, Evgeniy Gabrilovich, … Wei Zhang (2015) Knowledge-Based Trust: Estimating the Trustworthiness of Web Sources (arXiv:1502.03519 [cs])
  • Qualitätsmessung einer Internetseite? Früher: Stichwörter, Metadaten (endogen)
    • dann Google: eingehende Links, Struktur des Linknetzwerks (exogen)
    • wohl auch Geschwindigkeit & HTTPS (endogen)
  • Warum nicht wieder endogen, aber weniger manipulierbar? Korrekte Fakteninfos!
  • Basis: “Knowledge Vault” (KV) mit fast 3 Mrd. Fakteninformationen/Tripeln (Subjekt, Prädikat, Objekt; Obama, Nationalität, USA)
    • Textmining (OSR031 dazu) mittels “Extraktoren” (Methoden zu Extraktion von Tripeln)
    • Vergleich Marmorbruch: große Blöcke vs. buntes Schrot => verschiedene Werkzeuge, versch. Hersteller des gleichen Werkzeugs (Google-intern vllt. Teams)
  • Knowledge-Based Trust (KBT): Qualitätskontrolle der Faktenextraktion (tatsächlich falsche Infos in Webseite vs. falsch extrahierte) mittels eines mathematischen Modells
    • Henne-Ei-Problem: korrekte Fakten => vertrauenswürdige Quelle & vertrauenswürdige Quelle => korrekte Fakten; aufgelöst durch Redundanz im Web & Autoritäten
    • A source that has few false facts is considered to be trustworthy. => Wiss. Ansatz: Gegenteil ausschließen, anstatt Teil beweisen.
  • eines der KBT-Experimente: 120 Mio. Webseiten in 5.6 Mio. Domains modelliert => stimmt generell gut mit PageRank überein, aber es gibt Randphänomeene:
      • geringer PR, aber hoher KBT: trockene, aber korrekte Wissenschaft
      • hoher PR bei geringem KBT: Klatsch & Tratsch
      • trotz “Big Data”: manuelle Überprüfung nur weniger zufällig ausgewählter Tripel
  • Optimierungsmöglichkeiten: nur Themen-relevante Tripel beachten & triviale herausfiltern
  • Leseempfehlung: Michael Seemanns Algorithmendeutung

Erd-Arien #

    • Fabrice Ardhuin, Lucia Gualtieri, Eléonore Stutzmann (2015) How ocean waves rock the Earth: Two mechanisms explain microseisms with periods 3 to 300 s (Geophysical Research Letters) DOI: 10.1002/2014GL062782 (via)
    • “The Hum” (oder das Brummton-Phänomen, lese auch bei der GWUP) ist ein Geräusch, dass nur manche Menschen hören können, und dass sich bisher keiner so recht erklären konnte.
    • Eine neue Studie liefert jetzt einen recht überzeugenden Hinweis darauf, was der Ursprung dieses Geräusches sein könnte: durch Ozeanwellen verursachte mikroseismische Aktivität der Erde!
    • Die bekannte Mikroseismik lässt sich grob in drei Frequenzbereiche unterteilen, von denen zwei sich bisher schon gut erklären ließen.
    • Die neue Studie integriert mehrere Typen von langwelligen Ozeanwellen sowie realistische Darstellungen vom Meeresboden, um diesen dritten Frequenzbereich zu modellieren.
    • Hintergrund: An Hängen mit nicht ganz unwesentlichem Gefälle gibt es zwei Effekte (Wellenlängenverkürzung + Amplitudenanstieg, sowie Schwankungen des Drucks auf den Meeresboden).
    • Je nach Wellenlänge negieren sich diese Effekte in einer bestimmten Tiefe in Summe vollständig, setzen dabei aber den Meeresboden in Schwingung.
    • Die Tiefen, die ungefähr mit dem Frequenzbereich des Brummton-Phänomens übereinstimmen, finden sich häufig an Schelfkanten (große Steigung = großer Effekt).
    • Das Modell dieser Studie kann jedenfalls die beobachtete Mikroseismik der Erde sehr viel besser erklären als vorherige Modelle, auch wenn es hier noch Frequenzbereiche mit Unklarheiten gibt.
    • Fourier Transformation:

Fourier transform time and frequency domains

Algen im eigenen Netz #

Die selben verkapselten Diatomeenzellen im Licht- und Rasterelektronenmikroskop. Alle Details unter https://peerj.com/articles/858/#fig-2

Die selben verkapselten Diatomeenzellen im Licht- und Rasterelektronenmikroskop.

      • Neben Kapsel: Fibrillen, Tentakeln und Netze auf Kieselschalen von unverkapselten Zellen gefunden.
      • lineare Strukturen in mechanisch gestresstem Kapselmaterial gefunden => verwachsene Fibrillen?
      • Energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX) von Kapselbereichen ohne Zellkörper darunter
        • kein N => wohl kein Chitin vorhanden
        • kein Si => keine Ausstülpungen oder Deformationen der Kieselschale
      • Bakterien gezählt: öfter auf Kapseln als auf Kieselschalen
      • Fazit: weitere Hinweise auf Rolle der Kapsel für Interaktion v. Bakterien & Diatomeen

Fit im Alter (Dank an Chris!) #

      • Bernhard Franzke, Barbara Halper, … Karl-Heinz Wagner (2015) The impact of six months strength training, nutritional supplementation or cognitive training on DNA damage in institutionalised elderly (Mutagenesis) DOI: 10.1093/mutage/geu074
      • Telomere (die Chromosom-Endkappen) schützen die DNA vor Schäden durch die Replikation, werden selbst bei jeder DNA-Vervielfältigung ein wenig kürzer. Sie stehen dadurch in direktem Zusammenhang mit Alterserscheinungen. Wie kann man also die Telomere vor verfrühter Abnutzung schützen?
      • Bekannt ist: Verlust von Muskelmasse und -funktion begünstigt die Telomerverkürzung, auch wenn es bisher keine eindeutigen Studien zu den Effekten von Sport auf die Telomere gibt.
      • Neue Studie aus Wien: Einfluss von Resistance Training (RT), speziell für den Erhalt/Aufbau von Muskelkraft bei älteren Menschen
      • Durchgeführt wurde die Studie an >100 Bewohnern eines Altersheimes (65-98 Jahre), die zuvor kaum Bewegung hatten. Diese wurden in drei Studiengruppen unterteilt: RT, RT + Nahrungsergänzung, und kognitives Training.
      • In allen drei Gruppen gab es eine Verbesserung der körperlichen Fitness, aber auch der DNA-Reparaturmechanismen!
      • Männer schienen generell schlechtere DNA-Reparatur zu haben (Lebensstil, Östrogenspiegel?)
      • Die Nahrungsergänzung hatte keinen Effekt.
      • Das körperliche Training war ausgeprägt genug, um einen positiven Effekt herbeizuführen, und gering genug, um vermehrte Radikalbildung durch mehr aerobe Fitness zu vermeiden!
      • Glutathion

Publizieren, z.B. bei PeerJ #

Empfehlungen & Hausmeisterei #

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14 Gedanken zu „KNS028 Der Tod auf der zweiten Seite von Google

  1. Dr. ISO

    Hallo die Damen,
    zum Thema “Geschichte der Niederlande”, das am Anfang kurz kam. Ihr hattet recht, ein Teil der Niederlande, genauer gesagt Nieuwpoort, wurde in der Tat während des ersten Weltkrieges überflutet. Das war ziemlich zu Beginn des 1. WK, als man den Vormarsch der Deutschen Truppen stoppen wollte – mit allen Mitteln. Denn der Einsatz der “dicken Berta” bei Lüttich hat den Niederländern und den Franzosen mächtig Angst eingejagt. Also überflutete man einen Teil der Ijezer-Ebene. Und das ganze vier Jahre lang. Somit war Nieuwpoort auch der erste Schauplatz für das was die nächsten Jahre der Menschheit noch drohen wird – nämlich das Grauen des Stellungskriegs.
    Wer mehr lesen möchte:
    http://www.vlaanderen.be/int/sites/iv.devlh.vlaanderen.be.int/files/documenten/2013_100_Jahre_Erster_Weltkrieg.pdf

    Im Zweiten Weltkrieg haben die Alliierten was ähnliches gemacht und zwar bei Antwerpen – mit Bombern. siehe die Schlacht an der Scheldemündung: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_an_der_Scheldem%C3%BCndung

    Ich empfehle hier auch sehr sehr sehr sehr: Dan Carlin’s Hardcore History. Er hat mittlerweile 6 oder 7 Folgen NUR über den 1. WK draußen. Jeweils 3-4 Stunden (!) lang. Klingt detailliert – ja. Klingt langweilig? Vielleicht – ist es aber garantiert nicht. Hörbefehl! ;-)

    Antworten
    1. Mariëlle

      Dr. ISO, vielen Dank für Deine Ausführungen! Leider wurde der 1. Weltkrieg während meiner Geschichtsausbildung im Schulunterricht immer sehr großzügig übersprungen, weshalb ich ehrlich gesagt keine Ahnung davon habe. Über twitter wurden wir auch noch über den Französisch-Niederländischen Krieg von 1672-78 informiert, wo sie das wohl das erst Mal die Schleusen geöffnet haben.
      Vielen Dank auch für den Tipp mit Hardcore History – gehört habe ich davon, nur noch nicht den Podcast selber. Aber eine so lange Serie über den ersten Weltkrieg kommt definitiv auf meine Playlist!

      Beste Grüße, Mariëlle

      Antworten
  2. Dr. ISO

    Mir kommt’s grad sehr komisch vor, dass ich immer noch Euren Podcast höre und wir uns parallel im Kommentar-Feld unterhalten…wahrscheinlich werde ich alt und diese moderne Technik überfordert mich ;-)

    Antworten
  3. Katrin

    Auch von mir 1k Dank für die Erinnerung an Dan Carlin! War mir irgendwie & irgendwann unbemerkt aus’m Podcatcher gefallen O.o

    Antworten
  4. Insanepony

    Moin,

    Doktorand Mineralogie hier. Und als solcher etwas verstört von all dem abgefahrenen Softwarezeug, das ihr so auf die Beine stellt. Ich war schon so stolz, als ich Excel endlich einigermaßen im Griff hatte ;-(.

    Vielen dank für den schönen Podcast ^.^

    Antworten
    1. Mariëlle

      Hoi!

      Das fiese an solchen Dingen ist eigentlich eher, dass sie von außen schwieriger aussehen, als sie tatsächlich sind! Ehrlich gesagt würde ich ja an Excel ziemlich verzweifeln, und mag einfach die Nachvollziehbarkeit eines OpenSource Statistik-Programms wie R. Kein Grund also, nicht stolz zu sein :)

      Vielen Dank für das Lob, und gern geschehen!

      Beste Grüße,
      Mariëlle

      Antworten
      1. Katrin

        Moin, Moin, und bitte schön :-)

        Excel kann sehr nützlich sein, keine Frage! Für die eigene Arbeit sollte man einfach das benutzen, was am besten funktioniert. Zusammenarbeit mit Kollegen oder Studenten sind IMHO eine gute Gelegenheit (weil man sich ja sowieso auf gewisse Standards einigen muss) so tolle Extras wie Nachvollziehbarkeit, Reproduzierbarkeit, Automatisierung, Versionierung, etc. mit reinzubringen.

        Viele Grüße!

        Antworten
  5. Statler (der Kumpel von Waldorf)

    Hallo Katrin
    Ich bin auf euren Podcast durch Methodisch Inkorrekt aufmerksam geworden.
    Beim reinhören in dies Folge ist mir sofort aufgefallen, dass du bedauert hast, dass du deine Proben zur Untersuchung im RasterElektronenMikroskop trocknen und evakuieren musst. In der Null-Folge von Methodisch Inkorrekt spricht Nicolas vom “kleinsten Raumanzug der Welt”, in den einen Spinne verhüllt wurde um im REM untersucht zu werden. Möglicherweise wäre das was für dein Projekt?

    Antworten
    1. Katrin

      Im Prinzip schon, aber jetzt wird geschrieben. Das EM-Projekt ist durch, aber ich werde nach dieser Publikation mal suchen. Nicht in deren Shownotes, aber ist sicher ein guter Punkt für die allgemeine Diskussion. Danke für den Tipp!

      Antworten
  6. Statler (der Kumpel von Waldorf)

    Hallo Katrin
    Eine Frage in eigener Sache.
    Das in Biofilmen solche Kapselm gebildet werden, die nach dem sterilisieren der Proben weiter an Ort und Stelle bleiben war mir v?ölliunbekannt und hat für mich eine ungeahnte Erkentnis zur Folge. Ich habe als Ingenieur in der Klimatechnik beruflich immer mal wieder mit Biofilmen auf den Oberflächen von Wärmeübertragern an Kaltwasser Sätzen und Kühltürmen zu tun, die abgesehen von dem hygienischen Problem die Wärmeübertragung stören. Hast du einen Richtwert für die Dicke der (nicht getrockneten) Schicht der zurückgeblieben Kapsel Strukturen nachdem mittels Bioziden die “Bewohner” abgetötet wurden? Die Zehnerpotenz und die Einheit reicht mir vollkommen, also Milli-, Mikro- oder Nanometer? Damit kann ich dann die Verringerung des Wärmeübergangskoeffzienten abschätzen und mit meinen Messwerten korrelieren. Wenn ich ein ausreichend exaktes Modell der Zusammenhänge entwickeln kann, dann kann ich daraus Maßnahmen ableiten und die vorbeugende Wartungsabläufe verbessern, um die Funktion der Gesamtanlage sicherzustellen.

    Antworten
    1. Katrin

      Hallo Statler!

      Ich habe in dem Projekt die Biofilme gar nicht extra abgetötet oder sterilisiert, sondern sie werden wohl einfach bei der Fixierung gestorben sein. Außerdem blieben die Zellen auch in den Kapseln, wuchsen aber nicht übereinander von der Oberfläche weg. Ich hoffe also, dass “deine” Biofilme auch aus Kieselalgen bestehen, und dass wir hier überhaupt eine Vergleichbarkeit annehmen können, aber: Die Größenabschätzung ist nicht schwer.

      Da die Kieselalgenzellen etwa 5-15µm lang sind, mit Kapsel etwas größer, aber abgeflacht, dürften sie vielleicht 10-20µm hoch sein :-)

      Antworten
  7. Stadler (Kumpel von Waldorf)

    Erfolg!
    Die Simulation erscheint korrliert recht gut mit den Messdaten, bzw. Mit der Änderung der Wärmeübertragung über die Betriebsdauer der Anlage.
    Jetzt wird der Wärmetauscher geöffnet um den Nachweis der Kontamination zu erbringen.

    Danke ;)

    Antworten
    1. Katrin

      Gern geschehen und danke für die Rückmeldung! Schön zu sehen, auf welchen Wegen Forschung auch das Licht der Nutzbarkeit erblicken kann :-)

      Antworten

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