KNS027 Agenten der Geomorphologie

Fliegen Streifengänse wirklich über den Mount Everest? Auf Basis eines Datensatzes, mit dem auch Mariëlle arbeitet, wurde das überprüft. Zusammen mit der sportlichen Leistung der Gänse. Im Tierreich geht es weiter: Wo nicht überall Methan herkommt...! Katrin berichtet, fast aus erster Hand. Weiter geht es mit ernsteren Angelegenheiten, nämlich der Messbarkeit von Verwahrlosung im Kindesalter im Gehirn. Auch viele Jahre später noch. Sodann beißen wir uns durch ein technisch-physikalisches Thema und erklären, wie man organische LEDs blauer Farbe haltbarer macht. Zum Ausklang reden wir noch über Sport und Chronobiologie, und haben auch wieder ein paar spannende Empfehlungen für euch. Viel Spaß beim Hören und viele Grüße!

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Sendungsnotizen

Nachtrag zu KNS014 – Seesternzombies

Wissenschaftsnachrichten #

Achterbahn über den Himalaya #

  • Bishop et al. (2015). The roller coaster flight strategy of bar-headed geese conserves energy during Himalayan migrations. Science.
  • Streifengänse überqueren zwei Mal pro Jahr den Himalaya: Sie überwintern in den Flachlandregionen Indiens, um im Frühjahr zum Brüten nach Tibet, Pakistan, Russland & in die Mongolei zu ziehen.
  • Eine Besenderungsstudie aus 2011 hat herausgefunden, dass sie dabei 90% der Zeit unterhalb von Höhen von 5600m fliegen.
  • Besonders hohe Flüge passierten vor allem nachts, wenn die Luft kälter und somit dichter ist.
  • neue Studie! Was passiert wirklich während dem Flug über den Himalaya? Wie haushalten die Tiere mit ihren Energiereserven?
  • Zusammenhang zwischen O2-Verbrauch , Herzrate & Herzgewicht im Windtunnel annähernd erkundet
  • Datalogger implantiert in wilde Streifengänse -> Temperatur, EKG, Luftdruck & Beschleunigung
  • gefunden wurde: auf 5000m wird 1.7x mehr Energie als auf Meereshöhe benötigt
  • gefunden wurden steile Zusammenhänge zwischen Herzrate & Flügelschlagfrequenz, sowie Flügelschlagfrequenz & energetischer Kosten
  • Somit hat die Dichte der Luft großen Einfluss auf die benötigte Energie -> es lohnt sich, möglichst tief zu fliegen. Die Gänse folgen dem Profil der Berge ziemlich genau.
  • Generell aber können diese Tiere recht komfortabel in Höhen unter 6000m fliegen, was erstaunlich ist!
  • Supplemetary Files/Figures

Agenten der Geomorphologie (Dank an Kostja!) #

  • Podcastempfehlung: LabOhrgespräche
  • Biber vom 16. bis 19. Jhd. stark dezimiert durch Lebensraumzerstörung & Jagd für Fell und Fleisch (galt laut Konstanzer Konzil Fasten-technisch als Fisch)
    • seit Wiederansiedlungsprogrammen im 20. Jhd. wieder exponentielles Wachstum
    • Ökologische Effekte: Hochwasserschutze, Schutz für Jungfische, Anstieg des Grundwasserspiegel
    • paar Zahlen aus Nordamerika: max. 4-5 Kolonien pro Flusskilometer (Südküste der Hudsonbucht; 4-7 Biber pro Kolonie pflegen 2-3 Dämme), sonst <1 Kolonie pro km oder km2
  • Colin J. Whitfield, Helen M. Baulch, … Cherie J. Westbrook (2014) Beaver-mediated methane emission: The effects of population growth in Eurasia and the Americas (AMBIO) DOI: 10.1007/s13280-014-0575-y
  • Feuchtgebiete = größte natürliche CH4-Quelle
    • durch: Reisanbau vergrößert & Trockenlegung verringert
    • schwankt vermutlich mit Biberpopulation wegen Dammbau => Umwandlung von lentischen/fließenden in lotische/stehende Gewässer
  • Biberteiche teilen Eigenschaften von Feuchtgebieten und offenen Wasserflächen, aber emittieren mehr CH4 als beide, weil mehr C pro Fläche & mehr anaerobes Benthos
  • CH4-Oxidation bei nur 1.5m Wassersäule kaum möglich; Schichtung der Mikroorganismen nach Umgebungsbedingungen
  • diese Studie: kombiniert Abschätzung von Populationszahlen mit Habitatausdehnungsmodell und CH4-Messungen an Biberteichen
    • 1% aller Feuchtgebiet-CH4-Emissionen; 15% aller wild lebender Wiederkäuer => durchweg global geringer Anteil, teilweise aber lokale Hauptproduzenten
    • Anlegen von Biberteich erhöht CH4-Emissionen von Landschaften (direkt in Teichen & indirekt in umliegendem Boden)
    • Klimawandel: Ausbreitung der Biber nach Norden
  • CH4 vermutlich eher unterschätzt, weil indirekte Quellen nicht beachtet wurden
  • Meta-Ebene: “sicherer” Klimagasausstoß muss zw. Mensch & anderen Tieren aufgeteilt werden, nicht nur zwischen Nationen
  • Buchempfehlung: Feral von George Monbiot & Das Internet der Tiere (Sendung von hr2 Der Tag dazu)
  • Claire Marshall: „Mystery“ beavers permitted to stay (BBC News)

Verlorene Kinder #

  • Bick et al. (2015). Effect of Early Institutionalization and Foster Care on Long-term White Matter Development: A Randomized Clinical Trial. Jama Pediatrics.
  • Alte Studie zu Kindervernachlässigung neu aufgerollt!
  • Damals Test an Kindern in rumänischen Waisenhäusern, die leider kaum persönliche Interaktionen & Beziehungen mit den Betreuern hatten.
  • Jetzt hat man sich diese Kinder, heute Jugendliche, nochmals mit Hilfe von MRI-Scans angesehen (MRI/MRT in KNS011 erklärt)
  • Viele dieser Jugendlichen haben kognitive Probleme, und sind verhaltensauffällig. Zudem haben sie weniger weiße Substanz im Hirn als andere Jugendliche ihres Alters, vor allem in den Bereichen, wo die Nervenfasern für Aufmerksamkeit, Kognition/Wahrnehmung, und die Verarbeitung von Emotionen verlaufen.
  • Schlussfolgerung: ein Mangel an sensorischer Auslastung im Kindesalter kann dramatische Folgen haben. Ein kleines bisschen Licht hat die Studie aber auch zu bieten: Ein paar der Kinder wurden damals von Pflegeeltern aufgenommen, als sie etwa 2 Jahre alt waren.
  • Diese Kinder haben keine Folgen frühkindlicher Vernachlässigung! Nachfolgende Studien werden jetzt noch das Verhalten untersuchen (IQ, Aufmerksamkeit, Kontrolle von Emotionen)

Nicht-polarisierendes, abregendes Co-Doping #

Sportberatung für Nachteulen #

Empfehlungen & Hausmeisterei #

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7 Gedanken zu „KNS027 Agenten der Geomorphologie

  1. laborratte

    Ich möchte ein pro-Argument für eure Theorie des “blaue LED Problems” liefern:
    Betrachten wir mal zwei wichtige Molekülorbitale: Das HOMO (highest occupied molecular orbital) und das LUMO (lowest unoccupied molecular orbital). Bei einer Anregung des Moleküls wird ein Elektron vom HOMO ins LUMO angehoben. Irgendwann gefällt es dem Elektron da oben nicht mehr und das Molekül fällt in seinen Grundzustand zurück. Die Wellenlänge des Photons, das durch herunterfallen des Elektrons emittiert wird, ist also durch den HOMO-LUMO-Abstand gegeben. Großer Abstand, kleine Wellenlänge. Das heißt, dass der Abstand bei blauem Licht größer ist, als z.B. bei rotem. Für das Molekül bedeutet die Anregung die Besetzung eines energetisch sehr hoch liegenden (wahrscheinlich antibindenden) Molekülorbitals. Die Schwächung der Bindung durch Anregung ist umso größer, je größer der Abstand bzw je kleiner die Wellenlänge des emittierten Lichts.

    Soweit zumindest meine Theorie als Chemiestudent…

    Antworten
    1. Katrin

      Ah-ha! Dass die emittierte Wellenlänge umgekehrt proportional zum HOMO-LUMO-Abstand ist, war mir nicht klar. Danke für den Hinweis! Die Säulen der Theorie verdichten sich :-)

      Antworten
  2. Kostja

    Hallo ihr beiden,
    vielen Dank für die Erwähnung und eine tiefe Verneigung vor eurer erschöpfenden und tollen Aufarbeitung des Themas! Ich bin, muss ich gestehen, auch nur durch einen Tweet von @Holgi darauf aufmerksam geworden….

    Gruß

    Kostja

    Antworten
  3. Anne

    Hey ihr beiden!
    Ich freue mich schon riesig euren neuen podcast zu hören. Hab leider grad erst gesehen, dass es einen neuen gibt, aber dann hör ich den eben morgen wöhrend dem endlosen Bakterienkolonienzählen :-) ich bilde mich ja. Da kann keiner meckern. Übrigens fliessen eure toll aufgearbeiteten Themen bei uns immer wieder in Diskussionen ein :-)
    LG Anne

    Antworten
  4. Stadler (Kumpel von Waldorf)

    Verlorene Kinder:

    Ist das jetzt das KO-Kriterium für die U3-Kinderkrippen in Deutschland und die Bestätigung für das Betreuungsgeld aka Herdprämie?

    Antworten

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